Alterspflege überfordert Angehörige häufig
Angehörige, die ihre Partner oder Eltern im Alter pflegen, wenden dafür bis zu 64 Stunden pro Woche auf. Das tun sie nicht nur aus Zuneigung gegenüber den Verwandten, sondern auch aus finanziellen Gründen, wie eine Studie im Auftrag der Spitex zeigt.
Wenn Angehörige die Wahl hätten, möchten sie deutlich weniger Stunden in die reine Pflege ihrer Angehörigen investieren, als sie es tun, hielt die Psychologin Pasqualina Perrig-Chiello von der Universität Bern vor den Medien fest.
Zumutbarkeit überschritten
Partnerinnen und Partner, die bis über 60 Stunden für die reine Pflege aufwenden, halten 25 bis 30 Stunden für angemessen. Kinder, die üblicherweise weniger als 30 Pflegestunden leisten, geben zwischen 15 und 20 Stunden als zumutbar an.
Keine Alternativen
Doch häufig fehlen Alternativen, um den Zeitaufwand zu reduzieren. Die Belastung führt bei den Angehörigen häufig auch zu schlechter Befindlichkeit.
Mit der Studie «SwissAgeCare-2010» wollte der Spitex Verband Schweiz herausfinden, welche Angehörigen ältere Menschen pflegen, die bei teilweiser Pflegebedürftigkeit zu Hause leben. Berücksichtigt wurde dabei nur die Deutschschweiz.
Zwei Drittel Frauen
Der typische Angehörige, der einen alten Verwandten pflegt, ist nach der Studie die Partnerin oder der Partner, die im Schnitt 76,5 Jahre alt sind. Häufig übernehmen aber auch Töchter oder Söhne, im durchschnittlichen Alter von 56,5 Jahren, die Pflege. Hauptsächlich sind es Frauen; den Männeranteil schätzt die Studie auf einen Drittel - Tendenz steigend.
Spitex wichtig
Jeder oder jede Fünfte der über 84-Jährigen, die zu Hause leben, nehmen die Spitex in Anspruch. Ohne die ergänzenden Leistungen der Spitex würde die familiäre Generationenbeziehung nicht funktionieren, sagte der Zürcher Soziologe und Studienmitautor François Höpflinger.
Pflegefinanzierung wirkt sich auf Angehörige aus
Spitex-Präsidentin Stéphanie Mörikofer sah sich durch die Studie bestätigt im Widerstand gegen die Umsetzung der neuen Pflegefinanzierung in den Kantonen. Diese wollen meist den maximal möglichen Teil der Kosten für Spitex-Leistungen auf die Patienten überwälzen. Aufgrund des hohen Kostenbewusstseins würden alte Menschen womöglich vermehrt auf Leistungen verzichten, sagte sie. (luek, sda)
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