Das Terrorregime der Duvaliers
François Duvalier, ein früherer Landarzt, wurde 1957 zum Präsidenten Haitis gewählt. «Papa Doc» besetzte in kurzer Zeit alle Schlüsselstellen im Staat mit Getreuen und brachte die Armee unter seine Fittiche. Er errichtete ein Terrorregime, dem bis 1971 Zehntausende Menschen zum Opfer fielen.
«Tontons Macoutes» terrorisieren das Land
Seine berüchtigte Miliz, mit offiziellem Namen Volontaires de la Sécurité Nationale, sicherte dem sich immer mehr zum Diktator entwickelnden Duvalier ab 1959 die Macht. Die «Tontons Macoutes» genannten Angehörigen der Miliz waren gefürchtet, denn viele von ihnen empfingen keinen Lohn, sondern sicherten sich ihr Überleben durch Erpressung und Verbrechen.
1961 gewann «Papa Doc» seine Wiederwahl mit offiziell 1,32 Millionen Stimmen ohne eine einzige Gegenstimme. Die «New York Times» beurteilte den Urnengang als «den grössten Wahlbetrug in der Geschichte Lateinamerikas».
Ein begnadeter Volks-Manipulator
Seine Macht stützte Duvalier auf die schwarze Unter- und Mittelschicht. Er benutzte diese auch, um sie bei Gelegenheit gegen die mulattische Oberschicht aufzuwiegeln. Ebenso benutzte er den Voodoo-Glauben der Armen für seine Zwecke, indem er behauptete, er sei der Baron Samedi, ein mächtiger Totengott im Voodoo.
«Papa Doc» wandte sich kompromisslos gegen oppositionelle Kommunisten und stellte «kommunistische Aktivitäten» unter Todesstrafe. Sein Terroregime veranlasste Tausende Haitianer, unter ihnen viele Akademiker, das Land zu verlassen - ein schwerer Aderlass für das Land. Am 22. Juni 1964 wurde Duvalier offiziell Präsident auf Lebenszeit.
Terror-Regime kostet 30'000 Menschen das Leben
Der Diktator überstand mehrere Umsturzversuche, deren mutmassliche Verantwortliche er gnadenlos verfolgte und umbringen liess. Oftmals kosteten diese Vergeltungsaktionen mehr Unschuldige das Leben als verneintliche Schuldige. Schätzungen gehen davon aus, dass dem Terroregime «Papa Docs» bis zu 30'000 Menschen auf Haiti zum Opfer fielen.
Neben der Brutalität zeichnete sich die Duvalier-Herrschaft auch durch massive Korruption aus. Der Diktator betrachtete den haitianischen Staat als sein Privateigentum. So liess er etwa tausende Haititaner zu einem Hungerlohn in der Dominkanischen Republik arbeiten, wobei ein Teil der Löhne direkt ihm zufloss.
Das Korruptionsregime des «Baby Doc»
Nach seinem Tod übernahm «Papa Docs» Sohn Jean-Claude 1971 die Staatsgeschäfte. Der «Baby Doc» genannte Jean-Claude war bei seinem Amtsantritt erst 19 Jahre alt. Sein Vater hatte noch wenige Monate vor seinem Tod das Mindestalter für das höchste Staatsamt herabsetzen lassen. Auch «Baby Doc» nannte sich «Präsident auf Lebenszeit».
In einem Referendum sprach sich die Bevölkerung mit offiziell 2,39 Stimmen bei keiner einzigen Gegenstimme für Jean-Claude Duvalier als Nachfolger von «Papa Doc» aus. Unter «Baby Doc» liess der Terror der «Tontons Macoutes» in Haiti zwar etwas nach, dafür nahmen Korruption und Selbstbereicherung nie gekannte Ausmasse an.
100 Millionen pro Jahr eingenommen
Laut Schätzungen soll Jean-Claude Duvalier bis zu 100 Millionen Dollar jährlich eingenommen haben, vor allem aus Tabaksteuern, denn «Baby Doc» beherrschte das Tabakmonopol in Haiti. Gleichzeitig stammte bis zu einem Drittel des Staatshaushalts aus internationalen Hilfslieferungen.
Schlagzeilen machte der dunkelhäutige Duvalier Jr. auch durch seine Heirat mit der reichen Mulattin Michèle Bennett 1980 und der für ein Land wie Haiti skandalös teuren Hochzeitsfeier.
Papst Johannes Paul II. als Auslöser für Revolte
Die Ansiedlung ausländischer Niedriglohnbetriebe und der zeitweise florierende Tourismus trugen nichts dazu bei, das Elend der armen Massen zu lindern. 1983 las Papst Johannes Paul II. mit den Worten «Hier muss sich etwas ändern» Duvalier die Leviten.
Bald darauf war es so weit: Nach monatelangen Hungerrevolten, im Zuge derer bei Demonstrationen mehrere Dutzend Menschen starben, wurde Duvalier am 6. Februar 1986 abtesetzt, er floh ins Exil nach Frankreich. Die neue Regierung warf «Baby Doc» vor, sich seit 1971 mit 100 Millionen Dollar illegal aus der Staatskasse bereichert zu haben.
In Frankreich verarmt
In Frankreich lebte der Ex-Diktator noch eine Weile in Saus und Braus, soll aber im Laufe der Jahre verarmt sein. Seine Schweizer Konten wurden gesperrt.
Seine Frau verliess ihn, und seine Mutter Simone, die ihn ins Exil begleitet hatte, starb 1997. Duvalier lebte in Südfrankreich viele Jahre völlig zurückgezogen und gab nur selten irgendwelche Stellungnahmen ab.
Die Rückkehr im Januar 2011
Am 17. Januar 2011 kehrte «Baby Doc» schliesslich völlig überraschend aus seinem Exil in Frankreich nach Haiti zurück. Nun sollen von der haitianischen Justiz die Korruptionsvorwürfe an die Adresse Duvaliers geklärt werden.
Schon vor längerem forderte die haitianische Menschenrechtsorganisation RNDDH, Duvalier wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht zu stellen. Auch Amnesty International verlangt einen Prozess gegen Duvalier wegen «weit verbreiteter und systematischer Menschenrechtsverletzungen». (pet, dpa/sda)
