Stillstand im Atomstreit mit Iran
IAEA-Chefinspektor Herman Nackaerts bei der Ankunft in Wien nach dem Iran-Besuch: «Wir haben keinen Zugang erhalten.» . (Reuters)
Ein Expertenteam der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA ist am Mittwoch mit leeren Händen von seiner zweitägigen Reise nach Iran zurückgekehrt. «Leider konnten wir über keinen einzigen unserer Ansätze Übereinstimmung erzielen», erklärte Chefinspekteur Herman Nackaerts bei der Rückkehr am Flughafen Wien. Die Frage, ob die Mission gescheitert sei, wollte er nicht kommentieren.
«Nichts und keine Hürde kann die Atomarbeit des Irans aufhalten und sie sollte entschieden und ernsthaft vorangetrieben werden, trotz des Wirbels des Westens», sagte gleichentags Ajatollah Ali Chamenei bei einem Treffen mit Vertretern der iranischen Atombehörde.
Chamenei betonte, dass der Iran nicht an Atomwaffen interessiert sei. Ein Atomwaffenprogramm sei «gegen unseren Glauben ... wir betrachten Atomwaffen als eine grosse Sünde», fügte das geistliche Oberhaupt des Iran hinzu. Die internationale Gemeinschaft wisse dies, so Chamenei.
Zugang zum Militärgelände Parchin verwehrt
Es war bereits die zweite Reise von Vertretern der Internationalen Atomenergiebehörde innerhalb weniger Wochen, die ohne Ergebnis verlief. Ein weiterer Fahrplan für zukünftige Gespräche liegt vorerst nicht vor. «Zu dieser Zeit gibt es keine Übereinstimmung über weitere Diskussionen», sagte IAEA-Sprecherin Gill Tudor der Nachrichtenagentur dpa.
Auch Nackaerts erklärte, eine Vereinbarung über künftige Lösungswege sei nicht erzielt worden. Das war eines der zentralen Anliegen der IAEA-Experten gewesen.Zweiter zentraler Punkt war die Forderung, das Militärgelände Parchin besuchen zu können, wo möglicherweise Tests mit atomaren Sprengköpfen simuliert wurden. Aus dem russischen Aussenministerium in Moskau verlautete dazu, die IAEA habe dieses Gelände schon in der Vergangenheit kontrolliert.
Weiteres Vorgehen unklar
Ausserdem unternahm das Team nach IAEA- Angaben einen erneuten Versuch, die militärische Dimension des iranischen Nuklearprogramms zu erörtern. Diese drei Ansätze habe das IAEA-Team im Laufe der zweitägigen Visite «in einem konstruktiven Geist» verfolgt, hielt Nackaerts fest. Erfolglos: «Wir haben keinen Zugang erhalten, und wir konnten das weitere Vorgehen nicht festlegen.»
Zunächst wird nun das Team dem Direktor der IAEA, Yukiya Amano, Bericht erstatten. Anfang März soll sich der Gouverneursrat der Atombehörde bei seiner routinemässigen Versammlung mit dem Thema beschäftigen. «Dann werden wir sehen, was die nächsten Schritte sind», sagte Nackaerts. Bereits in der Nacht hatte Amano in einer Mitteilung geschrieben, er sei enttäuscht über den Verlauf der Gespräche. Ein neuer Bericht des IAEA-Chefs zum Iran wird noch in dieser Woche erwartet.
Viele Länder vermuten, der Iran betreibe ein geheimes Atomwaffenprogramm. Die Uno, die USA und die EU haben Sanktionen gegen das islamische Land verhängt. Teheran beharrt darauf, sein Nuklearprogramm verfolge ausschliesslich friedliche Ziele und lehnt auch die Forderung nach einem sofortigen Stopp der Urananreicherung strikt ab. (bru, dpa)
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