Duisburger Oberbürgermeister aus dem Amt gewählt
Muss zurücktreten: Adolf Sauerland, Oberbürgermeister von Duisburg, hier auf einem Bild vom Sommer 2011. (Keystone)
Anderthalb Jahre nach der Katastrophe bei der Loveparade haben die Bürger den Oberbürgermeister der Stadt abgewählt. Knapp 130'000 Menschen hätten gegen den CDU-Politiker Alfred Sauerland gestimmt, teilte die Stadt am Abend mit. Für Sauerlands Verbleib im Amt sprachen sich demnach nur rund 21'500 Bürger aus.
Für die Abwahl waren ein Viertel der Stimmen der 365'000 Wahlberechtigten nötig - rund 91'250. Die Wahlbeteiligung lag bei 41,6 Prozent.
21 Tote, hunderte Verletzte
Mit Unterstützung linker Parteien und Gewerkschaften hatte eine Bürgerinitiative gegen den 56-Jährigen Front gemacht. Die Initianten forderten ihn auf, die politische Verantwortung für die Tragödie im Juli 2010 zu übernehmen, bei der 21 Menschen ums Leben kamen und mehr als 500 verletzt wurden.
Die Schuldfrage ist bis heute nicht geklärt. Sauerland gehört nicht zu den Beschuldigten, gegen die die Staatsanwaltschaft ermittelt. Einen Anfangsverdacht der fahrlässigen Körperverletzung und Tötung haben die Ermittler gegen 17 Personen. Unter den Beschuldigten sind elf Mitarbeiter der Duisburger Stadtverwaltung, fünf des Veranstalters Lopavent und ein Polizeibeamter.
Bei Trauerfeiern nicht erwünscht
Sauerland war auch in die Kritik geraten, weil er den Verletzten und Angehörigen der Opfer lange eine Entschuldigung verweigert hatte. Erst spät übernahm er die moralische Verantwortung für das Unglück am 24. Juli 2010. Bei den Trauerfeiern war er nicht erwünscht und nahm mit Rücksicht auf die Gefühle der Angehörigen nicht teil.
Bei öffentlichen Auftritten war er Buhrufen und Beschimpfungen ausgesetzt, es gab eine Attacke mit Tomatenketchup und sogar Morddrohungen. Der Oberbürgermeister und die Duisburger CDU hatten das Abwahlverfahren als Kampagne und parteipolitische Abrechnung kritisiert, die nichts mit der Loveparade zu tun habe. Sauerland hatte 2004 die jahrzehntelange Herrschaft der SPD in der Stadt im Ruhrgebiet im Westen Deutschlands gebrochen. 2009 war er für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt worden. (ank, dpa/sda/reuters)
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