Woerth von Ermittlern vernommen
Eric Woerth. (Reuters)
Frankreich wird derzeit von einer schweren Regierungskrise erschüttert. Auslöser ist ein Familienstreit um das Milliardenerbe der L'Oréal-Eignerin Liliane Bettencourt. Das Geld der reichsten Frau Frankreichs bringt die ganze Regierung von Präsident Nicolas Sarkozy in Bedrängnis.
Laut veröffentlichten Ausschnitten von Tonaufnahmen sollen Arbeitsminister Eric Woerth und weitere Politiker der Regierungspartei UMP Geld von Bettencourt erhalten haben. Im Gegenzug hätten sie ihr geholfen, Steuern zu hinterziehen.
Woerth wird zudem eine zu grosse Nähe zu Bettencourt vorgeworfen. Denn während er bis März 2010 als Haushaltsminister für die Verfolgung von Steuersündern zuständig war, arbeitete seine Frau als Finanzberaterin für die Milliardärin.
In der französischen Steuer- und Spendenaffäre hat erstmals ein Kabinettsmitglied von Präsident Nicolas Sarkozy ausgesagt. Arbeitsminister Eric Woerth stellte in seinem Ministerium den Fragen der Ermittler. Gemäss Aussagen seines Anwalts wies Woerth dabei alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück.
Illegale Wahlkampfspende?
Woerth steht unter anderem unter Verdacht, im Jahr 2007 im Haus von L'Oréal-Erbin Liliane Bettencourt eine illegale Bargeldspende in Höhe von 150'000 Euro für Sarkozys Wahlkampf angenommen zu haben. Der Minister weist dies zurück. Trotzdem legte er sein Amt als Schatzmeister von Sarkozys Partei UMP nieder.
Der Vermögensverwalter der 87 Jahre alten L'Oréal-Erbin, Patrice de Maistre, der Woerth den Umschlag überreicht haben soll, war 2008 von dem Minister mit einem Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet worden.
Frau Woerth arbeitete für Bettencourt
Er hatte zudem Woerths Frau Florence in der Vermögensverwaltung der Bettencourts angestellt. Woerth bestreitet, dass er dabei seinen Einfluss geltend gemacht habe oder es eine Gegenleistung gewesen sein könne.
Ausserdem befand sich Woerth in einem Interessenkonflikt, weil seine Frau ausgerechnet für Bettencourts Vermögensverwaltung arbeitete, während er bis März als Haushaltsminister hart gegen Steuersünder vorgehen wollte.
Der Minister hatte in den vergangenen Wochen mehrfach gesagt, er wolle so schnell wie möglich vernommen werden, um für «Transparenz» zu sorgen und die Vorwürfe aus der Welt zu schaffen. Woerth sollte als Zeuge zu allem befragt werden, «was die Ermittler interessiert», erklärte die Staatsanwaltschaft Nanterre.
Umstrittener Minister
Woerth - einer der wichtigsten Minister Sarkozys, der ihm die unliebsame Rentenreform übertragen hat - war in die Kritik geraten, als unlängst heimliche Tonaufnahmen aus Bettencourts Villa an die Öffentlichkeit gelangt waren.
Aus den Tonbändern geht hervor, dass die Hauptaktionärin des Kosmetikkonzerns L'Oréal knapp 80 Millionen Euro am französischen Finanzamt vorbei auf zwei Schweizer Konten deponiert und eine angeblich 500 Millionen teure Insel auf den Seychellen nicht in der Steuererklärung angegeben haben soll.
In einem von der Regierung in Auftrag gegebenen Untersuchungsbericht wurde Woerth aber bescheinigt, er habe sich als damaliger Haushaltsminister nicht in die Steuersache Bettencourt eingemischt. (pet, sda/dpa)
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