Sarkozy will Roma ohne Papiere abschieben
Eine Roma-Familie in einer der illegalen Siedlungen nördlich von Paris. (Keystone)
Nach Auseinandersetzungen zwischen Roma und der Polizei schlägt Frankreich eine harte Linie im Umgang mit der Volksgruppe ein. Die Hälfte der rund 300 illegalen Roma-Siedlungen im Land sollen abgerissen und Roma aus Bulgarien und Rumänien nach Straftaten umgehend abgeschoben werden.
Die Siedlungen von Roma und «fahrenden Leuten» sollen in den kommenden drei Monaten geräumt werden, wie Innenminister Brice Hortefeux am Mittwoch nach einer Krisentreffen sagte. Wer ohne gültige Papiere in Frankreich lebt, soll ausgewiesen werden.
Steuerfahnder in Roma-Siedlungen
Zudem sollen Steuerfahnder die Bewohner der illegalen Siedlungen unter die Lupe nehmen, da nach den Worten des Innenministers viele Franzosen «mit Recht verwundert» seien über die Grösse mancher Autos der Roma.
Auslöser der Krisensitzung waren Auseinandersetzungen zwischen Roma und der Polizei in der Bretagne. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hatte Krawallmachern in der vergangenen Woche den «Krieg» erklärt. Die Ausschreitungen in der Bretagne verdeutlichten «die Probleme, die das Verhalten von manchen fahrenden Leuten und Roma verursacht».
Unterscheidung nach Pass
In Frankreich werden mit «Roma» Fahrende aus Rumänien, Bulgarien und dem früheren Jugoslawien bezeichnet. Die französischen Roma werden hingegen offiziell als «fahrendes Volk» bezeichnet, obwohl die meisten von ihnen inzwischen sesshaft geworden sind, wenn auch häufig in Wohnwagen an einem festen Ort. Insgesamt werden der Verwaltung zufolge etwa 400'000 Menschen als «fahrendes Volk oder Roma» eingestuft.
Mit dem Krisentreffen handelte sich Sarkozy scharfe Kritik der Betroffenen und der Opposition ein. Ein Zusammenschluss von Roma-Organisationen drohte der Regierung mit einer Anzeige wegen «Aufstachelung zum Rassenhass».
Randale nach tödlichen Schüssen
Zu den Ausschreitungen in der Bretagne war es gekommen, nachdem die Gendarmerie einen jungen Mann erschossen hatte, der ersten Ermittlungen zufolge vor einer Verkehrskontrolle geflohen war, weil er keinen Führerschein hatte und weil er fürchtete, wegen eines Diebstahls in einem Nachbarort belangt zu werden. (haem, sda/afp/dpa)
