TV-Sender sorgte in Georgien für Panik
Bereits kurz nach der Ausstrahlung des Beitrags protestierten aufgebrachte Bürger vor den Toren des TV-Senders Imedi. (Keystone)
Einwohner
4,321 Millionen (2005)
Hauptstadt
Tiflis
Amtssprache
Georgisch
Religionen
vor allem Christen («Georgisch Orthodoxe Apostelkirche»)
Staatsform
Republik
Präsident
Michail Saakaschwili
Regierungschef
Vladimer Gurgenidse
BIP
10 176 Millionen US-Dollar (2007)
Der Fernsehbericht über einen angeblichen neuen Einmarsch russischer Truppen in der Südkaukasusrepublik sowie den Tod des georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili hat am Samstagabend viele Georgier in Angst und Schrecken versetzt.
Der von Saakaschwili kontrollierte TV-Sender Imedi erklärte erst am Ende der Sendung, dass es keinen neuen Krieg gebe und die Geschichte inszeniert sei. Es sei nur eine mögliche Entwicklung gezeigt worden, hiess es. Russland, die georgische Opposition - die gemäss dem Bericht über einen Putsch gekommen wäre - und die Kirche sprachen von einem Skandal.
Opposition übt heftige Kritik
Saakaschwili verteidigte den gefälschten Bericht zur besten Sendezeit der Abendnachrichten. Die Darstellung sei zwar «unangenehm, aber maximal realitätsnah» gewesen. Die zur Opposition gewechselte frühere Parlamentschefin Nino Burdschanadse dagegen sprach von einer «ungeheuerlichen Provokation». Es gehe Saakaschwili darum, Angst vor den Russen in der Bevölkerung zu schüren, damit er seinen Posten behalte, sagte Burdschanadse.
Medien berichteten von chaotischen Zuständen unter der Bevölkerung mit Panikkäufen etwa von Benzin. Gross war die Aufregung in der Stadt Gori, die russische Truppen während des Krieges im August 2008 besetzt hatten. Notdienste mussten demnach Dauereinsätze fahren. Die Mutter eines georgischen Soldaten, die die TV-Sendung gesehen hatte, sei an einem Herzinfarkt gestorben, teilte der Parlamentsabgeordnete Dmitri Lortkipanidse mit.
Saakaschwili «ein schwer kranker Mensch»
Auch staatstreue Politiker in Tiflis, die georgisch-orthodoxe Kirche sowie russische Funktionäre reagierten empört. «Er ist ein schwer kranker und gefährlicher Mensch, er handelt wie ein Verbrecher", sagte der russische Nato-Botschafter Dmitri Rogosin nach Angaben der Agentur Interfax über Saakaschwili.
In spontanen Strassenprotesten forderten etwa 500 Demonstranten in Tiflis eine Bestrafung der Verantwortlichen. Der TV-Sender entschuldigte sich in einem Laufband bei den Zuschauern. Imedi drohe eine Klagewelle schockierter Georgier, teilte der Journalistenverband in Tiflis mit. (haem, dpa)
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